Dienstag, 18. Oktober 2016

"Trekking" im Langtang, Dolakha und zurück nach Kathmandu

Tsering Lama und ihre Geschwister haben durch das Erdbeben grosses Leid erfahren. Am Tag vor dem Erdbeben haben sie Langtang verlassen, natürlich sind sie nach dem Beben sofort zurückgekehrt. Vorgefunden haben sie ein riesiges Geröllfeld, darunter lag ein grosser Teil des Dorfes, die Eltern, das Hotel, ein Schwager und eines seiner Kinder. Über 140 Dorfbewohner wurden begraben, nur wenige Leichen wurden gefunden. Mit Geld von Freunden konnte ich diese Familie unterstützen, nun wollte ich sehen, was wiederaufgebaut wurde.
Ich wusste, einen Tag mit dem 4 WD und drei Tage wandern, kaum ein Problem. Eine Karte fand ich in Boudha nicht, so war ich relativ unvorbereitet.
Das wir täglich etwa 8 Stunden unterwegs sind und jeweils 1'000 Höhenmeter aufsteigen wurde mir bald bewusst. Die vielen Touristen, welche mit Führern und Sherpas unterwegs waren, bezeichneten dies als Trekking. Na ja, so schulterten wir unsere Rucksäcke und stürzten uns in Abenteuer.
Es waren auch viele Sherpas unterwegs, welche Baumaterial oder wie auf dem Foto Matratzen ins Gebirge trugen.
Die Aussicht war traumhaft, Vergleiche mit der Schweiz sind berechtigt.

Tsering Lama ist hier aufgewachsen, für sie ist es Alltag. Als Führer hat sie sich bestens bewährt.





Ich weiss nicht ob diese Kühe eher den Frühling oder den Herbst gespürt haben.
 Natürlich gibt es in dieser Höhe auch Yaks

Hier liegt Langtang begraben. Das Erdbeben hat einen Gletscherabbruch ausgelöst, dieser hat weiter unten den Felssturz verursacht. Im Hintergrund wird Langtang wieder aufgebaut.


Nach drei Tageswanderungen erreichten wir relativ frisch Langtang. Tsering Lama mit einer Schwester und ihrem Mann vor dem neu erstellten Restaurant, das Gebäude mit vier Schlafzimmer ist weiter hinten. Er wurde schwer verletzt, heute kann er seine Schulter wieder einigermassen bewegen.

Dieser Helikopter ist bei Rettungsarbeiten abgestürzt, ob er wohl einmal entsorgt wird? Helikopter waren dauerend unterwegs um vor allem Armierungseisen in die Dörfer zu fliegen. Dis könnte kaum über diese Wege getragen werden. Sherpas tragen normalerweise 30 - 40 kg, ein Ofen kann aber auch 50 kg wiegen.


Ein Blick zurück auf die unglaubliche Katastrophe. Rechts sieht man die Abbruchstelle der Geröll-Lawine.

Lastenschleppen ist hier Alltag. Ich weiss das Alter der Bäuerin nicht mehr, aber sie ist sehr alt.




Nach einer weiteren halbtägigen Wanderung erreichten wir Kyanjin Gompa auf 3'900 m.ü.M. Hier erstellt eine andere Schwester eine Gästehaus. Restaurant / Küche sind bald fertig, dann wird die Ruine des zerstörten Gästehauses abgebrochen und neu aufgebaut.

Die grossen Gebäude sehen von weitem "gut" aus, sie müssen aber alle abgebrochen werden.


Den Gipfel des Kyanjin Ri sahen wir nicht, eine Schulter auf 4'300 m sah zum Greifen nah aus.So entschieden wir uns am nächsten Tag diesen Berg zu besteigen, der Gipfel liegt 4'770 m.ü.M. 
Dev Bahadur, ein Führer, übernachtete mit seinen beiden chinesischen Gästen immer am selben Ort wie hier. Wir freundeten uns an, falls jemand in Nepal ein Trekking plant kann ich ihn nur empfehlen.
Der Aufstieg war nich allzu streng. 
Hier entschied ich mich den Kilimnjaro als nächstes Ziel zu nehmen. Warum sollte ich ihn nicht schaffen, wenn ich diese Strapazen ohne Vorbereitung so problemlos überstanden habe!


Grosse und kleine Schönheiten der Natur. Ich komme bestimmt wieder.




Auch den Abstieg genossen wir in einer beeindruckenden Landschaft.


Der nächste Ausflug: Dashein, das wichtige Hindu-Fest bei Devis Eltern in Dolakha feiern. Einen Tag Fahrt mit Bus ist relativ problemlos, ausser dass alle in die Dörfer wollen und der Verkehr entsprechend ist. In den beiden "Boleros", 4WD-Fahrzeugen, ist für uns kein Platz mehr, so sehen wir wie sie im Regen die steile Strasse hinauffahren, wir schlafen in einer einfachen Unterkunft.

Am nächsten Tag fahren wir zeitig los. Bald hält uns ein Felsrutsch auf, dieser ist erst ein paar Stunden alt. Gemeinsam werden die Steine weggeräunt.

video

Nach der nächsten Kehre stehen wir weiter oben vor dem selben Felsrutsch. Bevor wir die Strasse freiräumen steigen wir weiter hinauf, dort ist die Strasse so verschüttet dass kein Durchkommen möglich ist.
So wird gewendet und wir fahren zurück. Auf einer anderen Strasse werden wir in ein Dorf gebracht. Hier gingen Dei und teils die Geschwister von der 7. bis zur 12. Klasse in die Schule. Um 03.30 Uhr mussten sie im Dunkeln steil ins Tal und wieder steil hinauf, so dass sie um 6 Uhr in der Schule waren. Devis Bruder und Cousin erwarten uns, so dass wir nicht das ganze Gepäck schleppen müssen. Ich bin froh dass wir diese Strecke bei Tageslicht gehen konnten.
Devis Vater begrüsst uns, er geht mit den Ziegen auf die Weide.



Alle werden aufs Fest vorbereitet. Der Ziegenbock wurde gesegnet und wird umgehend mit einem kräftigen Messerschlag geköpft und dann zubereitet.








Ich werde von Devis Vater geschmückt.

 Gegenseitig besucht sich das ganze Dorf, bis weit in die Nacht wird getanzt, gegessen und getrunken.

Oft wird in der Notküche am Boden gegessen. Ob das Haus wieder aufgebaut werden kann ist ungewiss, zwei Zimmer sind soweit hergerichtet, dass sie bewohnbar sind.
Die Strasse ist immer noch verschüttet, so gehen wir zu Fuss ins Tal. Dort finden wir einen Bolero, welcher uns zur Bushaltestelle bringt. Ich weiss nicht wie viele Leute auf dem Fahrzeug sind, solange es "Platz" hat wird zugestiegen.

Zurück in Kathmandu offeriert mir Njima einen Ausflug nach Bakthapur, in dieser historischen Stadt war ich noch nie. Was liegt näher als eine Royal Enfield 350 ccm zu mieten? Schnell habe ich mich an den Verkehr gewöhnt, trotz Linksverkehr. Meine Erfahrung aus Lateinamerika kommt mir zu Gute. Teilweise hatte Njima Mühe mir zu folgen, ich hatte doch die doppelte Kubikanzahl. Was bei uns eine Harley ist, das ist in Nepal eine Royal Enfield, der Traum jeden Bikers.

Am Gebäde der Srongstenschule wurden grosse Teile ersetzt und verstärkt, nun ist es wieder in Betrieb. So werden überall die Erdbebenschäden behoben.
Für das Bild aus Pokhara musste ein Rahmen gefunden werden, respektive eine Rahmenfabrik.Hier herrsche ein emsiges Arbeiten.
Drohnen scheinen auch in Nepal ein Ârgernis zu sein!
Die Abschiedsparty ist bereits Tradition und für alle ein Erlebnis. Das Team des ROKPA-Restaurants gibt immer das Beste. Ich komme wieder!


Nun fliege ich zurück in die Schweiz und geniesse den Winter.