Donnerstag, 4. Juni 2015

Leiden ohne Ende

Alles geht seinen gewohnten Lauf, der Verkehr staut sich in den Strassen wie vor dem Erdbeben, an den Hauptstrassen von Kathmandu sieht man nur wenig beschädigte oder zerstörte Gebäude, es wird aufgeräumt. Man sieht sogar wieder vereinzelt Touristen.

Wenn man jedoch hinter die Fassade blickt, dann sieht man nur Probleme.

Gestern wurden die ersten acht Shelter geladen und in ein Dorf gebracht.  David und Kem mit ihren Partnerinnen werden den Aufbau instruieren und überwachen.


Mit Emanuel und Tal spaziere ich abseits der Hauptstrasse. Emanuel ist Franzose und Bauspezialist. Er lebt seit 20 Jahren vorwiegend in Indien und Nepal und berät hier gratis Projekte oder führt diese durch. Wenn er kein Geld mehr hat reist er einige Zeit zurück nach Frankreich und arbeitet dort. Er klärt uns auf was hier alles falsch gemacht wird. Es wird viel zu trocken gemauert und der Beton wird nicht fibriert. So muss es Bauschäden geben. Wenn er ein Projekt beginnt führt er zuerst eine dreiwöchige Schulung der Bauarbeiter durch.

Zu zweit kann die schwere Schaufel bequemer in die Höhe gehoben werden.










Wie an vielen Orten hat es Zerstörungen, aber vieles mehr ist nicht beschädigt. Touristen hätten noch genügend Sehenswürdigkeiten zum Besuchen, die Leute hier wären dringend auf Einnahmen angewiesen! So ist es auch beim Pashupatinath Tempel. Dieser liegt neben dem Krematorium.



Mein heutiger Tagesablauf:
Besuch in der Namgyal Higher Secondary School NHSS, hier sind einige unserer Patenkinder und auch Kids vom ROKPA. Die internen Kinder schlafen im Zelt, die Schule findet im Schulhaus statt. Der Saal macht Sorgen, wie schlimm sind die Schäden? Ich werde morgen mit Emanuel, einem französischen Bauspezialisten, nochmals hinfahren.

Bei ROKPA erstellen wir nochmals einen Shelter, eine Notunterkunft als abgeänderten Prototyp. Gestern wurden die ersten acht in ein Dorf gebracht und die Erstellung instruiert. Total wurde Material für 50 Stk. gekauft. Auf die Rückmeldung des Bauteams bin ich gespannt.


Der Shelter wird lokal seitlich verschlossen, gemauert oder mit Schilf und Plastikfolien.


Ich besuche nochmals die Srongsten Schule. Hier können die internen Kids im Kinderhaus schlafen, der Unterricht erfolgt in Zelten. Tsomo Sonam, ehemaliges Patenkind meines Mamis, unterrichtet Erstklässler: Thema: Schreiben der zweistelligen Zahlen auf Englisch. In der Schweiz diskutiert man ja solche Dinge, wenn ich richtig informiert bin.



Tsering Dolma, ein Patenkind meiner Schwester, habe ich im "Schulzimmer" getroffen. Der Lehrer sagte mir, dass auch er das Glück hatte dass ihm eine Basler Familie die Ausbildung finanziert hatte.


Dawa, eine meiner wichtigsten Kontaktpersonen, fährt Emanuel und mich zum Porong Pelmo Choeding Kloster in der Nähe. Nachdem Emanuel die Schäden besichtigt hat gibt es für ihn nur eine Lösung: Den Aufbau möglichst schnell abbrechen. Ein weiteres Erdbeben würde diesen zum Einsturz bringen und könnte Teile des Klosters beschädigen. Der Aufenthalt im Klosterraum wäre lebensgefährlich.

Von aussen sieht man keine Schäden.


Dieses schöne Mandala wird leider vernichtet werden.


Am Abend habe ich Tsering Dolma samt Familie zum Nachtesen eingeladen. Der Vater Jigmey hat eine kleine Reparaturwerkstatt und vermietet Velos an Touristen. Da es kaum Touriten hat ist das Einkommen = 0. Das Mietshaus ist zerstört, sie richten sich auf ein längeres Dasein im Zelt eihan. Die Mutter blieb zu Hause da sie starke Rückenschmerzen hat, der kalte Boden hat diese ausgelöst. Morgen werden wir für die ganze Familie Matratzen kaufen. Sie überleben von Erspartem, bis jetzt haben sie noch keine Hilfe erhalten, weder vom Staat noch von einer NGO, wie alle meiner Bekannten.
Ich bin froh dass ich hier bin, so kann ich mich in die Situation meiner Bekannten einfühlen und sie unterstützen. Viele Dank allen welche mich finanziell unterstützt haben -  hier gibt es noch lange viel zu tun! Diese Leute können ja nichts dafür dass sie vom Erdbeben so stark betroffen wurden. Ich weiss, dass es Hunderttausende in der gleichen Situation gibt, aber ich kann nur punktuell helfen.

Der zwölfstündige Marsch durch die Berge zu Devis Eltern macht mir noch etwas Sorgen. Wir wollen ihnen dringend Benötigtes bringen. Ich werde mir einen Träger "leisten", aber mich muss ich selber "schleppen".

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